13.11.06

im zug 6.04

im zug

so viele kreaturen
unterschiedlich
aus welchem grund
auf gemeinsamen weg

göttinger bahnhof
abfahrt richtung hannover
vorbei an
arbeitsamt
furchteinflößende architektur
die bahn verkauft ein haus
windig
die bäume fallen nicht
graffiti
büsche
alteisen
links und rechts ein wall
durchfahren wie eine schlucht
brücke
graublaues wolkenspiel
backsteinunterführung
das korn schon hellbraun
gutshof
güterzug rechts
wird überholt
land geometrisch strukturiert
verteilt
grün, hellbraun und rote dächer
bis zum horizont
baggersee
lärmschutzwand
tieffliegende wolken
verschieden grau
tunneldurchfahrt
konzentration verlagert
links etwas blauer himmel
rechts eine regenwand
scheinbar alles zum anfassen
fahren aber viel zu schnell
fenster geschlossen
vibration am linken oberschenkel
telefon
funkloch im tunnel
windräder

der tod dieser teufel 6.04

der tod dieser teufel

lässt sich das leben nicht nehmen
in anbetracht seiner selbst
begleiten die regentropfen

das zwitschern der vögel

wir sind uns begegnet 4.04

wir sind uns begegnet

im foyer des notarbüros
steht eine zimmerbirke
mit ganzer kraft trotzt sie
der umgebung
hält an ihren letzten blättern
krampfhaft fest
mich berührt der zimmerbaum
er macht mich traurig
ich kann ihm nicht helfen
trüge ich ihn ins freie
ging es ihm genauso schlecht

wir sind uns begegnet

todesverbot 3.04

todesverbot

...

das leben scheint manchmal 12.03

das leben scheint manchmal

so logisch
so widersinnig
so selbstverständlich
so umständlich
so notwendig
so unsinnig
so liebenswert
so abscheulich

und die Berge stehen da

als wenn nichts gewesen wäre

herbstbaum 10.03

herbstbaum

die birke tut so
als sei es ihr egal
dass die blätter abfallen

daneben der kastanienbaum
stellt sein herbstliches leid
standhaft zur schau

die eibe in der ecke
lacht – nicht laut
durchaus etwas schadenfroh

eine wildkirsche trägt
ihre trauer gefasst
angespornt von der vorfreude

die pappel kotzt mich manchmal an
ihr ehrgeiz als erste
den schnee zu erwarten nützt nichts

die buche im wald
schafft sich mächtig platz
nun muß sie die nächsten monate
allein mit ihren ästen

gegen den himmel zurecht kommen

haus 9.03

haus

ein haus
in dem menschen leben
schützt

vor einbrechender dunkelheit

wind 8.03

wind

der wind bläßt
manchmal
durch mich

hindurch

am meer 8.03

am meer

das meer freut sich
wir auch

zusammen verbringen wir die tage

germania 6.03

germania

durcheinander in der bratwurst
embryonales camperverhalten
entfernte suche
keine nahsicht

sandalen mit easywalkersohle
immer bereit...
den nicht vorhandenen boden
zu umlaufen

der wirt war boxer
den kampf mit seiner frau
hat er verloren
er sitzt hinterm tresen
hört nichts mehr
der glückliche

sie sitzt zentral
um die ganze kneipe
übersehen zu können
zu müssen
wachtposten – feldwebellähmung

er könnte nicht weglaufen
ohne an ihr vorbei zu müssen
sie sitzt eben zentral
sieht jeden gast kommen und gehen
auch aufs klo

jeder kontakt in der kneipe
unterliegt ihrer ohnmächtigen kontrolle

das fußballspiel ist längst zu ende
triumphierend erzählt sie
ihr mann hatte alle boxkämpfe gewonnen

ihr triumph entstammt
ihrem traurigen sieg


gegenüber, vielmehr
schräg gegenüber sitzt ein mann,
nein etwas ähnliches
eigentlich jemand
der zu früh von seiner mutter
getrennt wurde
was wahrscheinlich eh jedem passiert

er ist auf ersatzsuche

unbewohntes leben 3.03

unbewohntes leben

außen zu grell
um sonnenblumenkerne

dahinter zu vermuten

taubenlos 3.03

taubenlos

die menschen haben heute etwas verlorenes an sich

frühling 2003

frühling 2003

das gute treibt sein wesen
das böse treibt sein wesen
sie können nicht voneinander lassen
ohne das wesen des anderen
ist das eigene wesen nichts wert

mich kotzt der bush an,
sein vater, seine mutter,
seine frau auch
und all die anderen
scheinheiligen deppen

ihre erbärmliche unschuld
im zeichen eines zurechtgebogenen
kreuzes

ihr ekelerregender größenwahn

ihre grenzenlose armseligkeit

braun - eine zeitgenössische betrachtung 3.03

braun – eine zeitgenössische betrachtung

braun ist die erde, der sand der boden auf dem
menschen leben können

braun ist eine farbe, warm, duftend

braun ist scheiße, der unnütze rest, stinkend

braun ist dreck, rost, fäulnis

braun ist holz, wurzeln, pilze, herbst, laub

braun ist dunkel, tief, beängstigend

braun ist bedrohlich, vernichtend

braun ist sklaverei, armselig

braun ist geschichte, unterdrückung, demütigung

braun ist weltboden, sumpf


braun ist der grund des grün

unterführung in halle 9.02

unterführung in halle

waschbetonplatten
deren fugenmörtel
trittfester als sie selbst
ausgetreten

traurige musik
habe vergessen welches instrument
graffiti – städtisch angeordnet
passantenanmerkung zu rosa
„schwule farbe“

geschlossene holzjalousien

abblätternde braune farbe

knapp 9.02

knapp

ein verwesender vogel
am boden in flughaltung
fünf meter noch
zur friedhofseinfriedung

buschrose, lavelndel

eine gemähte wiese

gottesacker 9.02

gottesacker

(inschrift an der einfriedungsmauer)
„stadtgottesacker
aufblühn und staub werden
das ist das ewige gesetz der natur
hoffet auf morgenrot im totental
hier die saat dort die ernte“

wuchernder grüner farn
schwarze steintafeln
offenes gruftloch

ein städtischer gottesacker
starkstrom, kabel schlängeln
sich über steineinfassungen
zu orangefarbenen verteilerkästen

ein blauer müllsack – voll
eine gelbe regenjacke – zerissen
ein mundschutz – eingedrückt
gußeisenlanzenzaun
verlassen – ein ehemals im neuzustand
schwarzer arbeitsschuh
möglicher zeitungstitel:
„einbeiniger barfuß auf der flucht vor...“

torbogen – urnennischen aus sandstein
drei namen aus dem jahr 2000
auch heute sterben die menschen noch

„alles gute zum geburtstag“
verwaschen auf einem zettel am boden
verlorenes am leben erhalten
sich selbst zum schutz
rotschwarze käfer überall
auf dem hellen sandstein
am torbogen, an einer kerze
überwiegend an ecken und kanten

- tausende

gedanken 9.02

gedanken

umherirrende gedanken
verdichtet im friedhofsbereich
verflüchtigen sich richtung
innenstadt – fußgängerzone

geistkonzentration in
todesnähe
meiden fluchtverhalten

suchen lebende

bahnfahrt halle-kassel 9.02

bahnfahrt halle-kassel

angstnebel
vorsichtig beobachtend
bis bedrängend riechend
schnaubend

ein paar reihen vor mir ein walkman
ein paar reihen hinter mir ein handy

rücksichtslos
vergangenheitslos
schmerzflucht
viel leben verbraucht
sich gegen angst

haltestelle bahnhof
weiterfahrt
wo war die frühere grenze?
nichts zu sehen

enten
hühner
enten
baumaschine
enten
hühner
sonnenschirm
fernsehempfangsschüssel
landschaft

mein gegenüber stellt ständig fragen
so wie ein sohn den vater
während einer reise
mit fragen bombardiert
in seiner natürlichen annahme
sein vater weiß alles gefragte
zu beantworten
mein gegenüber bemerkt nicht
dass ich nicht sein vater bin
obwohl er erkennbar älter ist
und ich keine seiner fragen
beantworten kann
sein atem schwer – panisch
riecht er bedrängend

kieswerk
camping
rosagrünes haus
gegenverkehr
laderampe
baracken
wucherndes grün
parkplatz
bahnsteig

haltestelle bahnhof
mein gegenüber aufgewacht

weiterfahrt

arbeitslos 9.02

arbeitslos

auf einer fensterbank
im ersten stock
sitzen zwei hunde
ein weibchen und ein männchen
schauen aus dem fenster
auf den gehsteig
beobachten menschlich vorüberziehendes

daneben im zweiten stock
ein mann mit nacktem oberkörper
schaut aus dem fenster
auf den gehsteig
beobachtet...


er kann die arme auf die fensterbank legen

erfurt 5.02

erfurt

aussichtslosigkeit bahnt sich
einen grausamen weg
angst im dunkel
ohnmacht im dasein
opfer und täter
täter und opfer
verzweiflung und ohnmacht

wechseln ihren wirt

14.05.02

14.05.02

heute strahlen

die eichen
goldgrün

flussbett 3.02

flussbett

unvermeidbare stauungen
anspannungen
aufspannungen
die grenze zum nächsten schritt

erst leise sprudelnd
bis mächtig tosend
macht sich das Wasser auf

im Flussbett
fließende Ruhe

lebendiges strömen

gossenhauer 12.01

gossenhauer

einsammeln
aufsammeln
wegfahren

beaufsichtigen
beschäftigen
wegräumen

aussortieren
auspressen
wegkippen

aufhalten
zuschlagen
wegschließen

einschnappen
zuschnappen

wegtreten

spassgesellschaft 11.01

spassgesellschaft

aus
lachen
un
gelebt

a
soziales
über
spielen

ver
leugnen
ein
beinig

ent
eilender
mißstand

kündigung 11.01

kündigung

hiermit kündige ich
ihre erwartung
mit sofortiger

wirkung

12.11.06

11.09.01

11.09.01

um gottes willen

gold 5.01

gold

gold
ist ein weg
und der ist

grün

exostland 5.01

exostland

aus einem briefwechsel

was gibt es neues in exostland

exostland dämmert vor sich hin
es wird zudem langsam warm
und die boote stechen in see

wir haben ein neuesgroßes flaggschiff.....

stillhalteabkommen 12.00

stillhalteabkommen

mit sich selbst
die stille sprachlosigkeit
vereinbart

damit es nicht rauskommt

still 12.00

still

gestillt – genährt und beruhigt
eins sein mit der mutter
sei still – auf einmal
wird selbstverständliches
entzogen und abverlangt

die stille nacht
äußeres leben legt sich zur ruhe
ablenkungsmanöver – todmüde
da tauchen sie auf die mähren
die einsamkeit, der hass
die ziellose wut geboren in die stille

allzu verständlich davonlaufen
rastlos rennen
sich allem anhängen
was sich anbietet

spinn ich?
innehalten um den mangel zu spüren
die entzugserscheinungen der illusion
wo der tägliche trubel so gut abhilfe verschafft

und die fast unterträgliche angst
vor der unendlichkeit der stille

das alltäglich stillbare
ist lebendig

glück 12.00

glück

ich weiß nicht

ob glück
ob freude

andauernde lebensgrundlage sein muss

ich weiß dass

mein leben
meine familie
meine arbeit

sind

amen

edel 12.00

edel

sei der mensch
hilfreich und gut

besser
kann
ich
dann
nicht
mehr
werden

eiterstrom 9.00

eiterstrom

neid – gelb wie rotz

so wie die guten
die braven
die nichtssagenden
die
die sich nicht trauen
die sich durchlavieren

gegenseitig
gegeneinander
schneidend
giftig

ich fühle mich
schmerzlich neidisch
auf ihre scheinbaren plätze
in denen sie meinen zuhause zu sein
sie meinen etwas zu haben

ich bin nicht neidisch auf das haben
nein auf das meinen
auf ihre illusion
diese einfache blindheit
die sie schützt
aber nur sie

auftritt 7.00

auftritt

aufrechten hauptes
aufrechten schwanzes

und mit pochendem herzen

wut 4.00

wut

wut
gegen die straße
wut
gegen den hunger
wut
gegen die hoffnung
wut
gegen den entzug
wut
gegen die mutter
wut
gegen die manipulation
wut
gegen die abhängigkeit
wut
gegen den husten

die wut
vor der scheiße
die wut
vor der trauer

wut und scheiße
sektkorken der trauer

wir deutsche 4.00

wir deutsche

wir sind nicht deutsch
wie italiener italienisch
wir sind nicht deutsch
wie franzosen französisch
wir sind nicht deutsch
wie engländer englisch

wir sind offen wie gedemütigte
wir sind tolerant wie vertriebene

wir sind deutsche straßenkinder
wütend und zerstörerisch
unverantwortlich
lieb kind heischend

wir haben angst

und alle anderen auch

roßrot 4.00

roßrot

die herde
roter rößer
galoppiert

stampfend
ungestüm
gebändigt

erobert
das grüne
land

verlassener
hoffnungsschimmer
jetzt belebt

trampelnd
genommen

die erde ist betreten

der eretrarische tod 4.00

der eretrarische tod

gewaltsame angst
droht
dem ganzen körper

jede bewegung
lebensnotwendigem folgend
wird mit zitternder anspannung
boykottiert

versuch
kein stillstand
nein
verkrampftes festklammern
an vergangenem
nie gewesenem
mitgebrachte
unerlebte sehnsüchte

paradiesische zustände
genährte illusionen
des kleinen mannes

den entzug durchstehen

und auftreten

kümmern 3.00

kümmern

kümmere dich um dich
ich kümmere mich um mich
gemeinsam kümmern wir uns um uns

und um die kinder

mord 3.00

mord

ich habe heute meinen vater und meine mutter umgebracht
mein vater ist seit 10 jahren tot
meine mutter lebt

es geht ihnen gut

schweigemauer 2.00

schweigemauer

davor
gezeter
dahinter
kraftvolle ruhe
davor
mit dem rücken anlehnen
bis sie weich wird
durchlässig
den mut aufbringen
zurückzutreten
dahinter

sie werden weiter zetern

armlos 1.00

armlos

sich selbst entrückt
fremdgehörig
voll wut und hass
über das kastrierte
greifen und ablehnen
keine macht in sich
einzig die verletzung
des muttervaters
dem ertrinken nahe
spielt leben und tod die rolle
wo das sich selbst empfinden
den spürbaren standpunkt betreten
so weit weg scheint

dort den eigenen atem finden
wie ein neugeborenes
den gewohnten fremden takt
stehen lassen
um die erde zu betreten

weihnachten ist gnadenlos 12.99

weihnachten ist gnadenlos

das große vakuum der zeit
wissen um das nichtwissen

das geheimnis

die frage
tragen

ein weiter weg
bis zwei gemeinsam

an einem tisch sitzen

wer nichts spürt hat nichts zu sagen 11.99

wer nichts spürt hat nichts zu sagen

gefühllosigkeit kämpft

kapitulation
auf der seite
des gefühls


sprachlos und schrill

vater unser 10.99

vater unser

vater unser im himmerl
geheiligt werde dein name
dein reich komme
dein wille geschehe
wie im himmel, so auf erden
unser tägliches brot
gib uns heute


hey, sag mal, wo ist eigentlich unsere mutter

bunker 10.99

bunker

symbol allgegenwärtiger bedrohung
mahnmal – zeuge
das fensterlose gebäude
verschließt sich
vor der äußeren realität
angst –
vor erinnerung
vor der möglichen
unausweichlichen notwendigkeit
im inneren
unbekannten schutz
annehmen zu müssen
eindringen in den dunklen tiefen raum
voll existentieller hoffnung
dabei zu sein – zu bleiben
im inneren kalt geborgen
dem wahnsinn für den moment
unbekannter dauer – entkommen
überleben

eine chance

unvergessen 9.99

unvergessen

ein unding
unsinn – nichts
vergessen
für den moment
in einem nicht erkennbar
unexistent
arbeiten an
vergessenen orten
wie – wo arbeiten
im nichts
am erinnern – ja
prozesshaft – immer wieder
im eigenen inneren
erinnern
dann trifft man
auf orte
in orte
die waren weg
eben vergessen
einmal in besitz
genommen
arbeitsorte
unvergessen

mann 8.99

mann

mann ist relativ
im netz
bildloser übertragungen
eingebettet
in zwangsintelektuelle regeln
strotzt er vor gefälliger impotenz
angeboren ist
die volle potenz

als möglichkeit

geschafft 7.99

geschafft

männer stülpen ihre weibliche seite nach außen
frauen stehen ihren mann
zufiefst inneres verlagert, schutzlos
eigengeschlechtliches sein so tief enttäuscht
gegenseitiges in besitz nehmen
verlassen des eigenen landes
grenzverschwimmende forderungen
immer an das gegenüber
in sich vernachlässigt
im fehlenden puzzleteil
wütet schmerzlich und
hasserfüllt

das verlassene brache land

vieblättriger kreuzbaum 5.99

vierblättriger kreuzbaum

bleibende einschnitte – grün
im boden – geschenke
aufwärtsstrebend
jene nähren das leuchten
der augen

kinderaugen

die schnecke 3.99

die schnecke

zusammenziehen
in sich kriechend
rückzug
linksherum zentrierend
im haus
hunger
neugier
treiben zur entfaltung
rechtsherum streckend

nach draußen

trauer 3.99

trauer

blut
muss fließen
trauer
im fluß halten
dass sie sich nicht einnistet
sonst
heißt das nächste gedicht

wut

verzweiflung 2.99

verzweiflung

des bessermachenmüssens
nichtenttäuschendes gutwesen
wurzelabknabbernd

ich – darf –
es leben
wie meine väter
meine mütter

dann erst
können wir sehen

was ?

es wird sich zeigen
was die wurzeln
austreiben

im frühjahr

ahnenhaftes wesen 8.98

ahnenhaftes wesen

ahnenhaftes wesen
gewesen – wann – wie
der bauern – der mutter – der erde
war da was – ist da was

wie und wo ist es

kreislauf 7.98

kreislauf

achten und annehmen
auf die alten zugehen
erfahren wo man herkommt
mit den kindern leben
erwachsen
im älter werden
beobachten wo es hingeht
die mitte ist der eigene fluss
die tragende verantwortung

so wird der kreis zur kugel

eine wand 6.98

eine wand

eine undurchdringbare wand
bewacht von einer giftspritzenden schlange
und einem drachen – dem wanddrachen
sie leben wie straßenkinder, zwischen mülltonnen
auf der straße, vor ihrer wand
meinen nur dort leben zu können
aus abgestumpfter gewohnheit
ihres ursprünglichen lebensraumes beraubt
angst vor wiederholung
schützen sie den schattenraum mit klebrigem schleim
in dem man sich verfängt, verirrt, verwirrt

wie die fliege auf dem lockstreifen in der küchenecke

männerphantasien 6.98

männerphantasien

kritik an männerphantasien!?
benötigt wird das phantastische

sie haben angst
die männer und die frauen

menschenkinder sind ausdruck
sie wollen zusammen spielen

tummelplatz

stützstrümpfe 5.98

stützstrümpfe

nimm den menschen
ihre stützstrümpfe

sie kippen aus den schuhen

grüß gott 2.98

grüß gott

die frage,
die nicht mehr zu ende gedacht werden darf
von der zwanghaften antwort erschlagen
die antwort will die frage im keim ersticken
das nichts des geheimnisses
diese ruhe
wird von der antwort
als perönliche bedrohung empfunden
als kriegspol
durch vernichtung
emächtigt sich die antwort der frage
ist die frage tot
weint das kastrierte weib in seinem verließ

der mann triumphiert - einsam

ein gedanke 2.98

ein gedanke

produkt
gewonnen aus dem potential
phantastisch menschlicher windungen
weich eingebettet in eine schale
produziert und fixiert der gedanke
losgelöst vom rest des produzenten
dessen körper
abgespalten, substanzlos,
entwurzelt, ohne hintergrund
fühlt er sich frei – der gedanke
ein fataler fehler

wie sich herausstellen sollte

menschenkinder 2.98

menschenkinder

ausdruck
stimme
gefühl
zusammen
spielen

innen und außen

ausdruck
stimme
gefühl
aller menschen

11.11.06

dreieck 1.98

dreieck

das dreieck muss sich drehen
ja drehen auf seine breitseite
dazu muss es jegliche stabilität
für den moment loslassen
sich einem bedrohlich
schwerelosen zustand
anvertrauen

es zieht und zerrt
es zieht und zerrt

aufgeklärt 1.98

aufgeklärt

losgelassen angekommen
ihr sagt ich bin euer gast
aber wer nährt mich
ihr sagt befreie dich
aber von wem
ihr sagt tue was du willst
aber wo ist das
nicht frei
nicht losgelassen
haltlos rudernd
kein links, kein rechts
kein hinten, kein vorne
wo ist oben und unten?
ihr nennt es aufgeklärt

dabei ist es trüb und neblig

rohrpost 4.97

rohrpost

das weib – die mutter
irdisches außen
warm, weich, sorgend
entreißt dich dem raum
presst in form
trügerische wärme
zwischenraum
vorbereitung auf die kälte
meist unaufhaltsam
auf den weg geschickt
der erste tunnel
rohrpost

totgeburt – lebendig schreiend

kloake 4.97

kloake

unter dem gullideckel
schwer zugänglich
heute war ich dort tauchen
den beißenden geschmack
wird man schwer los
zäh hält er sich fest

geschlechterkrieg 3.97

geschlechterkrieg

gegenpolbeherrschenwollenwahn
ursprungsverleugnung

geschlachterkrieg

frühjahr 3.97

frühjahr

der anfang
nach dem ende
das aufbäumen
nach dem insichsinken

kälte ziehen lassen
spreizt sich ein
will nicht weichen
verbarrikadiert sich

wärme schreit
nach entfaltung
macht zeit geltend
flatterhaftigkeit allgegenwärtig

chancenloser krieg
verteidigungsdrang der kälte
zieht sich zurück
in nischen, ritzen, poren, ecken

vorrat zum übersommern

haus 2.97

haus

ein haus bauen
gemeinsam
jeder steuert bei
in ihm
leben
herrschen
umarmend
der familie ein haus sein

angst 2.97

angst

angst stinkt


nicht laufen
hineinfassen
riechen

sie will
mit gestank

vergraulen

tanz maus 1.97

tanz maus

die falle lauert
tanz

du entgehst ihr nicht
tanz

schnell, vorsichtig, behände
tanz

speck und käse reichen nicht

tanz

10.11.06

beziehungskiste 12.96

beziehungskiste

deckel aufbrechen
reinsteigen
2 seiten – 4 seiten
umlegen
deckel vierteilen
anlegen

beziehungsfeld

blumentopf 11.96

blumentopf

am arsch kotzt x
die kreide ein wenig
aus dem fenster
weswegen
sie den blumentopf
nachschmeißt
wohin
in den abgrund
die tiefe
keiner weiss
genau
wo das ist

glück 6.96

glück

eintauchen
drehen, strecken, zusammenziehen
tunnelbilder
angst verlieren – sich
fliegen – spielen
treiben lassen
im strom
kabelgrenzen auflösen
steckdosenpolkappenverschmelzung

teil des waldes 5.96

teil des waldes

aderndurchzogen
farnsanftes wedeln
tiere treten ein
teil des waldes
werdend

im grün 1.96

im grün

oben,
ganz oben drängt es nach unten
grund
unten hilfesuchend
wunsch nach fliegen
schwarz – blau
wo liegt gelb?
egal
es ist überall grün

wer oder was 1.96

wer oder was

wer ist was
wer ist wer
was ist wer
was ist was
warum ist wer was
warum ist was wer
bin ich was
bin ich wer
menschenskind

neujahr 12.95

neujahr

ein neues jahr
das nächste
schließt an
ans vorhergehende
schlängelt sich durchs leben
wie ein zug
immer länger, reicher
nicht neuvoller

nebel 10.95

nebel

wie eine haut
aus watte.
schützt vor was
und warum.
diffus, warm, feucht.
pflanzen transformieren
nebel zu wasser.
elefanten fliegen herum.

dose 10.95

dose

einen geist wie eine
fischdose

tolerant wie eine
bierdose

sinn unbekannt

heiligenschein 4.95

heiligenschein

entschuldigen sie
ihr heiligenschein
ist heruntergefallen

ach nein
ich hatte keinen
heiligenschein

doch
er ist soeben
heruntergefallen

aber
ich hatte keinen
heiligenschein

ja
sie haben ihn
nicht bemerkt
einen heiligenschein
sieht nicht jeder
glauben sie mir
er ist gerade
heruntergefallen
ihr heiligenschein


ein heiligenschein allein ist nicht dicht

waldstadt 6.94

waldstadt

völliges durcheinander
organisiert
lautlos
nicht still
hin, her
rauf, runter
drunter, drüber
gewichte schleppen
ziehen
straßenverzweigungen
keine pause
ein ziel